Mechatronisches Schließsystem: Technik, Funktion und Einsatzbereiche

Ein Schlüssel kann verloren gehen, weitergegeben werden oder irgendwann nicht mehr zu den aktuellen Zutrittsrechten passen. Bei einer klassischen mechanischen Schließanlage lässt sich eine einzelne Berechtigung nur begrenzt verändern, ohne auch die organisatorische Struktur der Anlage zu berücksichtigen.

Ein mechatronisches Schließsystem verfolgt einen anderen Ansatz: Die mechanische Verriegelung bleibt Bestandteil des Systems, während die Berechtigung zusätzlich elektronisch geprüft werden kann. Damit lassen sich Zutrittsrechte je nach System gezielter verwalten und an veränderte Anforderungen anpassen.

Das macht mechatronische Schließtechnik insbesondere dort interessant, wo mehrere Türen, unterschiedliche Nutzergruppen oder wechselnde Berechtigungen zusammenkommen. Für ein Bürogebäude in Braunschweig kann das beispielsweise eine andere Lösung bedeuten als für ein hochwertiges Einfamilienhaus.

Entscheidend ist deshalb nicht allein die Frage, welches System technisch verfügbar ist. Zuerst muss geklärt werden, welche Türen geschützt werden sollen, wer Zutritt benötigt und welche Anforderungen an Verwaltung, Sicherheit und Betrieb bestehen.

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Was ist ein mechatronisches Schließsystem?

Ein mechatronisches Schließsystem verbindet zwei technische Ebenen: Mechanik und Elektronik.

Der mechanische Teil übernimmt weiterhin die eigentliche Schließfunktion. Ergänzend wird geprüft, ob der verwendete Schlüssel, Transponder oder ein anderes Identifikationsmedium über die erforderliche Berechtigung verfügt.

Damit unterscheidet sich die Technik sowohl von einem rein mechanischen Schließzylinder als auch von einer vollständig elektronischen Zutrittslösung.

Bei einem mechatronischen Schließzylinder können beispielsweise mechanische Komponenten mit einer elektronischen Berechtigungsprüfung kombiniert werden. Die DIN EN 15684:2021-05 beschreibt hierfür Anforderungen und Prüfverfahren für mechatronische Schließzylinder und die zugehörigen Schlüssel beziehungsweise elektronischen Schlüssel.

Wie funktioniert die Technik?

Vereinfacht betrachtet läuft der Zutritt in mehreren Schritten ab:

  1. Der Nutzer identifiziert sich über ein vorgesehenes Medium.
  2. Das System prüft die hinterlegte Berechtigung.
  3. Bei gültiger Berechtigung wird die mechanische Schließfunktion freigegeben.
  4. Die Tür kann geöffnet werden.
  5. Je nach System können Vorgänge zusätzlich protokolliert oder zentral verwaltet werden.

Welche Funktionen tatsächlich verfügbar sind, hängt allerdings vom jeweiligen System ab. Ein mechatronischer Zylinder ist daher nicht automatisch gleichbedeutend mit einer vollständig vernetzten Zutrittskontrolle.

Mechanisch, elektronisch oder mechatronisch – wo liegt der Unterschied?

Die Begriffe werden im Alltag teilweise vermischt. Technisch lohnt sich jedoch eine klare Abgrenzung.

LösungFunktionsprinzipVerwaltung von BerechtigungenTypische Stärke
Mechanische Schließanlagerein mechanische Codierungüber Schlüssel und Schließplanrobustes, etabliertes Prinzip
Elektronisches Schließsystemelektronische Identifikationdigitalflexible Berechtigungsverwaltung
Mechatronisches Schließsystemmechanische + elektronische Komponentenje nach System digital oder lokalVerbindung beider Technologien

Eine mechanische Anlage kann beispielsweise als klassische Schliessanlagen-Lösung aufgebaut werden. Hier entscheidet der Schließzylinder anhand der mechanischen Codierung, ob ein Schlüssel passt.

Bei einem elektronischen System steht dagegen die elektronische Berechtigungsprüfung im Vordergrund.

Das mechatronische System liegt dazwischen: Die mechanische Sicherung bleibt erhalten, wird aber um elektronische Funktionen ergänzt.

Welche Vorteile kann ein mechatronisches Schließsystem bieten?

Der wichtigste Unterschied liegt häufig nicht im täglichen Öffnen der Tür, sondern in der Verwaltung der Zutrittsrechte.

Je nach System können unter anderem folgende Funktionen möglich sein:

  • individuelle Zutrittsberechtigungen
  • zeitlich begrenzte Berechtigungen
  • unterschiedliche Rechte für verschiedene Nutzergruppen
  • Sperrung einzelner elektronischer Schlüssel
  • Anpassung von Berechtigungen ohne vollständigen Austausch der mechanischen Anlage
  • Integration in übergeordnete Zutrittskonzepte
  • teilweise Protokollierung von Zutrittsvorgängen

Gerade bei Unternehmen kann diese Flexibilität relevant sein. Wenn beispielsweise ein Mitarbeiter die Abteilung wechselt, müssen nicht zwingend sämtliche mechanischen Schlüsselstrukturen neu aufgebaut werden.

Ein praktisches Beispiel

Ein mittelständisches Unternehmen in Niedersachsen verfügt über einen Verwaltungsbereich, einen Technikraum, ein Archiv und mehrere Nebenräume.

Nicht jeder Mitarbeiter benötigt Zugang zu allen Bereichen. Die Geschäftsleitung benötigt andere Rechte als die Haustechnik, während externe Dienstleister nur zeitweise bestimmte Türen öffnen dürfen.

Bei einer rein mechanischen Lösung müsste diese Struktur über unterschiedliche Schließberechtigungen und Schlüsselgruppen organisiert werden. Ein mechatronisches System kann – abhängig von seiner technischen Ausführung – die elektronische Verwaltung dieser Berechtigungen ergänzen.

Wann ist ein mechatronisches Schließsystem sinnvoll?

Die Technik ist nicht automatisch für jedes Gebäude die richtige Wahl.

Besonders interessant kann sie sein, wenn:

  • mehrere Nutzergruppen vorhanden sind,
  • Zutrittsrechte regelmäßig geändert werden,
  • bestimmte Bereiche nur für ausgewählte Personen zugänglich sein sollen,
  • Schlüsselverluste organisatorisch problematisch sind,
  • eine flexible Verwaltung von Berechtigungen gewünscht wird,
  • mechanische und elektronische Sicherung miteinander kombiniert werden sollen.

Bei einem einzelnen Einfamilienhaus mit wenigen Türen kann eine komplexe elektronische Lösung dagegen unter Umständen unnötig sein. Hier sollte die Entscheidung von der tatsächlichen Sicherheitsanforderung und der gewünschten Funktionalität ausgehen – nicht allein vom technischen Entwicklungsstand eines Systems.

Tipp:
Nicht die Anzahl der Türen allein entscheidet über die geeignete Schließtechnik. Entscheidend ist die Struktur der Zutrittsberechtigungen: Wer darf welche Tür öffnen, zu welchem Zeitpunkt und unter welchen Bedingungen?

Mechatronisches Schließsystem und Schließanlage kombinieren

Mechatronisches Schließsystem und Schließanlage kombinieren

Ein mechatronisches System muss nicht zwingend isoliert betrachtet werden.

In vielen Projekten ist zunächst zu prüfen, ob bereits eine mechanische Anlage vorhanden ist oder ob eine neue Schließanlage geplant wird. Dabei spielen Schließhierarchie, Zylinderarten, Türfunktionen und die gewünschte Verwaltung der Berechtigungen eine Rolle.

Eine klassische schließanlage gleichschließend ist beispielsweise eine andere technische Lösung als eine komplexe Anlage mit unterschiedlichen Schließberechtigungen.

Auch der schliessanlagen plan spielt bei größeren Anlagen eine wichtige Rolle. Er bildet ab, welcher Schlüssel beziehungsweise welche Berechtigung welche Türen bedienen darf.

Bei einer mechatronischen Erweiterung muss diese bestehende Struktur mit den elektronischen Berechtigungen zusammenpassen.

Welche Komponenten gehören zu einem mechatronischen Schließsystem?

Ein System kann je nach Hersteller und Ausführung aus unterschiedlichen Komponenten bestehen.

Mechatronischer Schließzylinder

Der Zylinder bildet die Schnittstelle zwischen Tür, mechanischer Verriegelung und elektronischer Berechtigungsprüfung.

DIN EN 15684 beschreibt Anforderungen und Prüfverfahren für solche mechatronischen Schließzylinder. Dabei werden unter anderem Gebrauch und Sicherheitsmerkmale über entsprechende Prüfungen und Klassifizierungen betrachtet.

Elektronischer Schlüssel oder Transponder

Die Identifikation kann beispielsweise über einen elektronischen Schlüssel, Transponder oder ein anderes vorgesehenes Identifikationsmedium erfolgen.

Dabei sollte nicht nur auf die Bedienung geachtet werden. Relevant sind auch Verwaltung, Sperrung, Batteriekonzept und die Frage, wie verlorene oder kompromittierte Identifikationsmedien behandelt werden.

Verwaltungssystem

Bei umfangreicheren Lösungen kommt eine Verwaltungssoftware oder ein entsprechendes Managementsystem hinzu.

Hier können Berechtigungen definiert, geändert oder – abhängig vom System – dokumentiert werden.

Das ist besonders relevant, wenn viele Nutzer und Türen miteinander verbunden sind.

Was muss bei der Planung berücksichtigt werden?

Die Auswahl eines mechatronischen Schließsystems beginnt nicht beim Zylinder.

Zunächst sollte die gesamte Tür- und Nutzungssituation betrachtet werden.

Checkliste für die Planung

Vor einer fachlichen Beratung sollten möglichst folgende Informationen vorliegen:

  • Anzahl der zu sichernden Türen
  • Art und Funktion der Türen
  • vorhandene Schließzylinder
  • bestehende Schließanlage
  • Anzahl der Nutzer
  • verschiedene Nutzergruppen
  • gewünschte Zutrittsbereiche
  • mögliche zeitliche Einschränkungen
  • Anforderungen an Protokollierung
  • vorhandene Zutrittskontrolle
  • besondere Türen, etwa Flucht- oder Brandschutztüren
  • gewünschte Erweiterbarkeit

Gerade bei bestehenden Gebäuden kann die Türsituation entscheidend sein. Nicht jeder Zylinder lässt sich unabhängig vom vorhandenen Schloss, Beschlag oder Türsystem austauschen.

Warnhinweis:
Bei Flucht- und Rettungswegen sowie Feuer- und Rauchschutztüren darf ein Schließsystem nicht allein nach Komfort oder Zutrittslogik ausgewählt werden. Die Eignung der eingesetzten Komponenten und deren Zusammenspiel mit der Tür muss für den konkreten Anwendungsfall geprüft werden.

Die DIN EN 15684 weist ausdrücklich darauf hin, dass die Eignung von Schließzylindern für Feuer- oder Rauchschutztüren durch zusätzliche Prüfungen zur Feuerwiderstandsfähigkeit bestimmt wird.

Mechatronische Schließtechnik bei bestehenden Gebäuden nachrüsten

Eine Nachrüstung kann grundsätzlich interessant sein, wenn ein bestehendes Gebäude bereits über mechanische Schließtechnik verfügt.

Ob eine solche Lösung tatsächlich geeignet ist, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab: Türblatt, Schloss, Beschlag, Zylindermaß, vorhandener Schließanlage und gewünschter Funktionalität müssen zusammenpassen.

Eine fachgerechte Planung betrachtet deshalb nicht nur den Zylinder, sondern die gesamte Türsituation.

Bei einem Verwaltungsgebäude in Wolfsburg kann beispielsweise eine schrittweise Erweiterung sinnvoll sein, wenn zunächst nur bestimmte sicherheitsrelevante Bereiche mit elektronisch verwalteten Berechtigungen ausgestattet werden sollen.

Dabei sollte auch berücksichtigt werden, wie spätere Erweiterungen in die bestehende Struktur integriert werden können.

Welche Rolle spielen DIN und VdS?

Bei sicherheitstechnischen Produkten reicht die Bezeichnung „elektronisch“ oder „mechatronisch“ allein nicht aus, um deren Eignung für einen bestimmten Anwendungsfall zu beurteilen.

Die DIN EN 15684:2021-05 behandelt mechatronische Schließzylinder und deren Anforderungen und Prüfverfahren.

Für elektronische Schließzylinder existieren außerdem VdS-Regelwerke. VdS führt beispielsweise VdS 2156-2 für elektronische Schließzylinder mit Anforderungen und Prüfmethoden.

Für klassische Schließanlagen nennt VdS wiederum VdS 2386, wobei dort ausdrücklich auch die Projektierung und die Verwaltung einer Schließanlage berücksichtigt werden.

Das zeigt einen wichtigen Punkt: Die technische Eignung eines Produkts und die Eignung einer kompletten Schließlösung für ein konkretes Gebäude sind nicht dasselbe.

Mechatronisches Schließsystem für Privathäuser

Auch für hochwertige Einfamilienhäuser kann mechatronische Schließtechnik interessant sein.

Der entscheidende Punkt ist jedoch die tatsächliche Nutzung. Wenn nur wenige Personen Zugang benötigen und keine häufigen Änderungen der Berechtigungen erforderlich sind, kann eine mechanische Lösung ausreichend sein.

Anders sieht es beispielsweise aus, wenn Hauspersonal, Reinigungskräfte, Handwerker oder weitere Personen zeitlich begrenzten Zugang benötigen. Dann kann die elektronische Verwaltung von Berechtigungen einen praktischen Mehrwert bieten.

Bei der Planung eines privaten Objekts sollte deshalb zuerst die gewünschte Zutrittsstruktur geklärt werden. Erst danach lässt sich beurteilen, ob ein mechatronisches System gegenüber einer mechanischen Lösung einen sinnvollen zusätzlichen Nutzen bietet.

Mechatronisches Schließsystem für Unternehmen

Bei gewerblich genutzten Immobilien wird die Frage nach der Zutrittsorganisation häufig komplexer.

Ein Unternehmen kann beispielsweise unterschiedliche Bereiche für:

  • Mitarbeiter
  • Geschäftsführung
  • Reinigungspersonal
  • Haustechnik
  • externe Dienstleister
  • Besucher

definieren.

Ein mechatronisches Schließsystem kann diese unterschiedlichen Berechtigungsstufen je nach System technisch unterstützen.

Dabei ist nicht nur die Erstinstallation relevant. Ebenso wichtig ist die spätere Verwaltung: Neue Mitarbeiter kommen hinzu, andere verlassen das Unternehmen und Berechtigungen müssen angepasst werden.

Genau an diesem Punkt zeigt sich der Unterschied zwischen einem technisch funktionierenden Zylinder und einem sinnvoll geplanten Schließkonzept.

Warum die fachgerechte Planung entscheidend ist

Eine Schließlösung besteht aus mehr als einzelnen Zylindern.

Bei einer professionellen Planung werden unter anderem Türen, Schließpunkte, Nutzergruppen, Berechtigungsstrukturen und besondere Anforderungen einzelner Bereiche zusammen betrachtet.

Auch die spätere Verwaltung muss berücksichtigt werden. VdS weist bei Schließanlagen ausdrücklich darauf hin, dass deren Sicherheit wesentlich von einer geordneten Schließanlagenverwaltung abhängt.

Für ein komplexeres Objekt ist deshalb eine fachliche Bestandsaufnahme sinnvoll, bevor konkrete Komponenten ausgewählt werden.

Ein Fachpartner wie KIM KEY kann dabei die Anforderungen des Gebäudes aufnehmen, die passende technische Architektur prüfen und die Umsetzung auf die vorhandene Tür- und Schließtechnik abstimmen.

Welche Fragen sollten vor der Auswahl beantwortet werden?

Vor der Entscheidung für ein bestimmtes System sind einige Punkte wichtiger als die Frage nach Marke oder Modell:

  1. Welche Türen müssen tatsächlich kontrolliert werden?
  2. Wie viele Personen benötigen Zugang?
  3. Gibt es unterschiedliche Berechtigungsstufen?
  4. Wie häufig ändern sich diese Berechtigungen?
  5. Ist eine Protokollierung erforderlich?
  6. Gibt es bereits eine mechanische Schließanlage?
  7. Welche Türen haben besondere Anforderungen?
  8. Wie soll mit verlorenen Identifikationsmedien umgegangen werden?
  9. Wie wird die Anlage später verwaltet?
  10. Soll das System später erweitert werden?

Erst aus diesen Antworten ergibt sich ein belastbares Anforderungsprofil.

Mechatronisches Schließsystem Die wichtigsten Punkte im Überblick

Mechatronisches Schließsystem: Die wichtigsten Punkte im Überblick

Ein mechatronisches Schließsystem verbindet die Eigenschaften mechanischer Schließtechnik mit elektronischer Berechtigungsprüfung. Dadurch können sich insbesondere bei wechselnden Nutzergruppen, mehreren Zutrittsbereichen und höheren Anforderungen an die Verwaltung zusätzliche Möglichkeiten ergeben.

Ob diese Technik für ein bestimmtes Gebäude sinnvoll ist, lässt sich jedoch nicht allein anhand der Produktbezeichnung entscheiden. Türsituation, Schließstruktur, Nutzergruppen, Sicherheitsanforderungen und spätere Verwaltung müssen gemeinsam betrachtet werden.

Wenn Sie für ein Objekt in Niedersachsen eine mechatronische Schließlösung prüfen möchten, können Sie über das Anfrageformular auf dieser Seite die wichtigsten Eckdaten Ihres Projekts übermitteln. Auf dieser Grundlage lässt sich anschließend fachlich beurteilen, welche Lösung für die vorhandene Situation infrage kommt.

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FAQ: Mechatronisches Schließsystem